Schlaf finden – ohne Nebenwirkungen

Viele Senioren nehmen abends Beruhigungsmittel, um besser einzuschlafen. Doch auf Dauer kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Ein Schatten auf der Seele, ein Hader mit sich und dem Alter …

Was blieb, sind oft Schlaftabletten, gegen die innere Unruhe. Trotzdem wacht man mehrmals nachts auf, und am Tag fühlte man sich müde und benommen.

Der Blick auf den Beipackzettel macht Angst: „Patienten sollten das Mittel so kurz wie möglich, höchstens aber für vier Wochen nehmen. Sonst drohe Gewöhnung“

Hoffnung Schlafmittel

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland schlucken regelmäßig Schlaf- und Beruhigungsmittel, schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Der Großteil der Betroffenen, sind über 50.

« Beruhigungsmittel können ein Segen sein », Ärzte verschreiben sie in Krisenzeiten wie einem Trauerfall, bei akuten Krankheiten, etwa einem Herzinfarkt, können die Medikamente entspannen und den Körper vor Stressreaktionen schützen.

Es sind sichere Arzneien, vorausgesetzt, sie werden nur kurze Zeit eingenommen. Doch dabei bleibt es häufig nicht.

Schlaflos trotz Schlaftablette

Oft nehmen die Patienten die Medikamente über Jahre. Anders als etwa viele Schmerzmittel gehen Beruhigungsmittel auch bei Dauergebrauch kaum auf Leber oder Nieren.

Das Problem liegt woanders. Nach wenigen Wochen lässt die beruhigende Wirkung nach. An ihre Stelle tritt häufig eine Gegenreaktion: man ist leicht reizbar, Geräusche werden schneller als Lärm wahrgenommen, Gerüche als Gestank.

Schlaftabletten schwächen Konzentration und Gedächtnis, was viele Betroffene fälschlicherweise dem Alter zuschreiben.

Zudem lockern die Medikamente die Muskulatur, was in der Folge die Sturzgefahr steigert. Viele Unfälle von Senioren hängen mit der Einnahme von Beruhigungsmitteln zusammen.

Solche Nebenwirkungen treten auch deshalb auf, weil der Stoffwechsel im Alter langsamer abläuft. Die Medikamente bleiben daher länger als bei jungen Menschen im Körper und wenn am Abend eine weitere Tablette genommen wird, ist die vorherige noch nicht völlig abgebaut.

Entzug: Schlafmittel langsam ausschleichen

Der Ausstieg gelingt in kleinen Schritten. Die Dosis wird nach und nach verringert, um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Kurzzeitig kann ein Mittel gegen Depressionen zum Einsatz kommen, bei dem keine Gefahr der Abhängigkeit besteht.

Ganz wichtig sind Informationen zum Thema gesunde Nachtruhe – etwa, dass der Schlafbedarf im Alter sinkt.

Ein Modellversuch mit rund 100 älteren Patienten zeigte, jeder zweite kam nach wenigen Monaten ohne Schlafmittel aus. Sprechen Sie Ihren Hausarzt! Dieser kann abklären, was die Ursache für Schlafstörungen ist – zum Beispiel nächtliche Atemaussetzer.Gewöhnen Sie sich an ein Gute-Nacht-Ritual: Das kann eine Tasse Kräutertee sein oder ein ruhiges Musikstück.

Sorgen Sie für ein kühles, ruhiges und dunkles Schlafzimmer, und lüften Sie vor dem Zubettgehen kurz durch.

Bewegen Sie sich tagsüber viel an der frischen Luft, und alten Sie wenn möglich, keinen Mittagsschlaf.