Ambulante Pflege: Gut gepflegt zu Hause leben

Was ist ambulante Pflege? Pflegebedürftigkeit kann jeden von uns jederzeit treffen. Mit ambulanter Pflege, auch „häusliche Pflege“ genannt, erhalten pflegebedürftige Menschen medizinische, pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung im häuslichen Umfeld. Die ambulante Pflege und die Betreuung von Pflegebedürftigen kann sowohl durch einen ambulanten Pflegedienst als auch durch pflegende Angehörige durchgeführt werden. Ambulante Pflegedienste kommen bei Bedarf mehrmals in der Woche oder mehrmals täglich ins Haus und entlasten den Betroffenen sowie seine Angehörigen.

Ohne die vielfältigen Leistungen von ambulanter Pflege wäre es für viele pflegebedürftige Menschen kaum denkbar, zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung zu leben. Durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit kann man von einem Tag auf den anderen pflegebedürftig werden. Manchmal ist häusliche Pflege vorübergehend notwendig, bis man wieder Gesund wird. Man kann aber auch dauerhaft auf die pflegerische Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst oder pflegende Angehörige angewiesen sein.

Ambulante Pflege: Unterstützung für ältere Menschen

In vielen Fällen, häufig mit steigendem Alter, brauchen Senioren immer öfter Betreuung oder Pflegemaßnahmen. Es beginnt damit, dass der ganz normale Alltag ohne die freundliche Hilfe von Nachbarn oder erwachsenen Kindern nicht mehr so reibungslos klappt und dass einem vieles schwerer fällt als früher. Später braucht man dann wegen chronischer und altersbedingter Krankheiten und körperlicher und geistiger Einschränkungen pflegerische Versorgung. Die Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten, nahestehende Angehörige oder Helferinnen der sog. 24-Stunden-Betreuung können Pflegebedürftige dabei unterstützen, ihren Alltag besser zu bewältigen.

In manchen Pflegehaushalten setzt sich die Versorgung aus pflegenden Angehörigen und einem ambulanten Pflegedienst zusammen – je nach Pflegegrad. Im Falle der Versorgung durch pflegende Angehörige können ambulante Pflegedienste auch mal stundenweise zur Entlastung der Angehörigen engagiert werden. Und in manchen Fällen übernehmen Pflegedienste ersatzweise sogar die komplette Versorgung des Pflegebedürftigen.

Diese Leistungen bietet ein ambulanter Pflegedienst:

med. Behandlungspflege: nach Sozialgesetzbuch Fünf (SGB V: Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung): Medikamentengabe, Verbandswechsel, Injektionen usw.

Grundpflege: Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität, der Lagerung und Förderung von Ressourcen und Training von Fähigkeiten usw.

hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung usw.

Seniorenbetreuung: Beschäftigung, Spaziergänge, Begleitung zu kulturellen Veranstaltungen usw.

Verhinderungspflege

Tages- und Nachtpflege

Kosten für ambulante Pflegeleistungen

Durch seine Beitragszahlungen zur Pflegeversicherung erwirbt sich jeder gesetzliche Versicherte einen Rechtsanspruch auf Hilfe, wenn er pflegebedürftig wird. Dann übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für ambulante Pflegeleistungen: Pflegebedürftige erhalten Sachleistung ambulant (z. B. Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst) oder Geldleistung ambulant (z. B. Versorgung durch einen Angehörigen).

Weil jeder Pflegebedürftige ganz unterschiedliche Hilfen benötigt, lassen sich der Umfang und damit auch die Kosten für Leistungen der ambulanten Pflege nicht pauschal nennen, sondern nur ganz grob einschätzen.

Seit dem 01. Januar 2017 werden im Rahmen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes die bisherigen Pflegestufen durch fünf Pflegegrade (PG) ersetzt

Welche Leistungen stehen mir zu?

Laut Bundesministerium für Gesundheit erhalten alle Pflegebedürftigen ab 2017 mehr Gelder seitens der Pflegeversicherung, als sie bisher bekommen haben. Die Hauptleistungsbeiträge für die fünf neuen Pflegegrade sehen wie folgt aus:

Monatliche Leistungen bei ambulanter Pflege

PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Geldleistung ambulant 316€ 545€ 728€  901€
 Sachleistung ambulant  689€  1.298€  1.612€  1.995€

Die Kombileistung: Ambulante Geldleistung + ambulante Sachleistung

Von einer Kombileistung spricht man bei einer Kombination aus ambulanter Geldleistung und ambulanter Sachleistung bzw. Pflegesachleistung. Dies ist möglich, damit man die Pflege optimal auf die individuellen Bedürfnisse abstimmen kann. Wenn eine Kombileistung bezogen wird, heißt das, dass das Pflegegeld sich in dem Maß vermindert, in dem der Wert der Pflegesachleistungen zunimmt.

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Ein Beispiel

Ein Pflegebedürftiger mit dem Pflegegrad 3 wird ambulant von einem Angehörigen gepflegt. Dafür erhält er an Pflegeleistungen ein monatliches Pflegegeld von 545 Euro. Da der Angehörige die Pflege allerdings nicht komplett übernehmen kann, reduziert der Pflegebedürftige das Pflegegeld um 20% und erhält dafür 20% der ambulanten Sachleistung.
Dies bedeutet, dass er statt der vollen 545 Euro nur noch 80%, also 436 Euro erhält. Zusätzlich erhält er 20% der ambulanten Pflegesachleistung, die normalerweise 1.298 Euro beträgt, also 259,60 Euro.
Insgesamt erhält er also Gelder von 695,60 Euro. Die Voraussetzung ist, dass 259,60 Euro für einen ambulanten Pflegedienst verwendet werden.

Darauf sollten Sie beim Abschluss eines Pflegevertrags mit einem ambulanten Dienst achten

Der Pflegevertrag regelt Art und Umfang der Leistungen, die ein ambulanter Pflegedienst erbringt. Was Pflegebedürftige und ihre Angehörigen über das Kleingedruckte wissen sollten.

Sie haben sich für einen Pflegedienst entschieden und mit einem Berater im Erstgespräch ermittelt, welche Hilfen Ihr Pflegebedürftiger braucht. Vor der Unterschrift unter dem Pflegevertrag gilt wie für alle Vertragsabschlüsse: Gründlich durchlesen – auch das Kleingedruckte. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und beraten Sie sich in aller Ruhe mit Ihren Angehörigen oder andere vertrauten Menschen.

Ein Pflegevertrag ist juristisch gesehen ein so genannter Dienstvertrag, d. h. der Leistungserbringer (der ambulante Pflegedienst) muss im Rahmen der Vereinbarungen tätig werden. Das bedeutet: Er schuldet dem Leistungsnehmer (Ihnen als Auftraggeber) eine Leistung, aber keinen Erfolg seiner Tätigkeit. Die Leistungen müssen demnach pflegefachgerecht erbracht werden, jedoch ist der ambulante Pflegedienst nicht dafür zuständig, dass der Pflegebedürftige z. B. nach einem Unfall wieder vollkommen gesund wird.

Vertragspartner
Als Vertragspartner sollte ausschließlich der Pflegebedürftige aufgeführt sein. Wenn Pflegebedürftige zur Unterzeichnung des Vertrags nicht in der Lage sind, kann ihr gesetzlicher Betreuer in ihrem Sinne unterschreiben. Angehörige sind nicht automatisch gesetzliche Betreuer, sie können zwar beraten, aber entscheiden oder anstelle des Pflegebedürftigen unterschreiben dürfen sie nicht, außer sie wurden dazu bevollmächtigt.

Kündigungsfristen
Der Pflegevertrag wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Ist keine Kündigungsfrist vereinbart, dann gilt die gesetzliche Frist von 14 Tagen. Sie können den Vertrag mit einem Pflegedienst als Angehöriger des Pflegebedürftigen aber fristlos kündigen, wenn Sie das Vertrauen in dessen Tätigkeit verloren haben. Der Vertrag sollte auf jeden Fall während eines stationären oder teilstationären Aufenthalts ruhen und schließlich durch endgültigen stationären Aufenthalt oder Tod automatisch enden.

Haftung
Pflegedienste haften für Schäden, die durch ihre Mitarbeiter verursacht wurden. Deshalb müssen sie, um mögliche Schäden oder Schadenersatzforderungen ausgleichen zu können, eine Betriebs- oder Betriebshaftpflichtversicherung mit möglichst hoher Deckungssumme abschließen. Ein Vertragspassus wie etwa „nur bei grober Fahrlässigkeit“ schränkt die Haftung des Pflegedienstes stark ein. Das müssen Sie nicht akzeptieren. Personenschäden können beispielsweise „Wundliegen durch falsche Lagerung“ sein. Zu den Sachschäden zählen neben beschädigtem Geschirr oder Mobiliar auch verlorene Wohnungsschlüssel.

Pflegedokumentation und Leistungsnachweise
Im Pflegevertrag sollte stehen, dass die erbrachten Leistungen schriftlich festgehalten werden und die Pflegedokumentation bei Ihnen zu Hause bleibt. Ebenso sollte festgelegt sein, dass Sie Leistungsnachweise direkt im Anschluss an den Einsatz abzeichnen und damit freigeben müssen.

Monatliche Abrechnung
Die Leistungsnachweise sind Grundlage für die monatliche Abrechnung, die am Ende eines Monats erfolgt und in den ersten Tagen des Folgemonats eintrifft. Hier zahlen Klienten ihren Eigenanteil, das sind die Leistungen, die über die von den Pflegekassen (bei Pflegestufe 1, 2 oder 3) übernommenen hinausgehen. Zusätzlich können die Pflegedienste sogenannte Investitionskosten anteilig in Rechnung stellen.

Investitionskosten in der ambulanten Pflege
Ambulante Pflegedienste berechnen möglicherweise ihren Klienten anteilig Investitionskosten z. B. für Instandhaltungskosten ihres Fuhrparks oder des Pflegedienstbüros. Dafür dürfen Pflegedienste Pauschalen ansetzen, die allerdings in einem angemessenen Verhältnis zu den tatsächlichen Kosten stehen müssen. Die Höhe der Investitionskosten an die Leistungsentgelte zu koppeln, ist nicht zulässig.